Ein Tag im Lippekindergarten

   

Pädagogik in der Praxis

   
Das Thema „Erziehungsstile“ im Pädagogikunterricht der Jahrgangsstufe 10 ist in der Theorie leicht verständlich und gut nachvollziehbar. Texte und Filme über die Untersuchungen Kurt Lewins und des Ehepaares Tausch zeigen die Auswirkungen bestimmter Erzieherverhaltensweisen auf eindrucksvolle Art und Weise. Nach der Unterrichtsreihe wissen alle Schülerinnen und Schüler theoretisch ganz genau, welches Erzieherverhalten für eine förderliche Entwicklung des Gegenübers wichtig ist.
Aber praktisch? Praktisch ist es gar nicht so einfach, einen Streit zwischen Kindern auf demokratische Weise zu lösen. Praktisch ist es gar nicht so einfach, ein Kind auf sozialintegrative Weise zu Rücksichtnahme, Regeleinhaltung und Einsicht zu bewegen. Praktisch ist es also gar nicht so einfach, das im Unterricht theoretisch Gelernte auch umzusetzen. Um es trotzdem einmal zu versuchen, haben wir uns aus unserem geschützten Klassenraum in die harte Erziehungsrealität begeben … einem Kindergarten.
   
   

Hier der Bericht von zwei Schülerinnen:

 
Wir trafen uns um viertel vor acht am Kindergarten „Lippekinder“ und gingen anschließend gemeinsam hinein, wo wir bereits von der Kindergartenleitung und einer Erzieherin erwartet wurden. Zuerst gingen wir in den Personalraum, wo wir unsere Fragen stellen konnten, die wir im Unterricht erarbeitet hatten. Uns wurde zum Beispiel erzählt, wie die Kinder hier erzogen werden oder wie ein typischer Tagesablauf im Kindergarten von morgens bis abends aussieht. Die meisten Kinder bleiben bis mittags, andere auch den ganzen Tag. Diese Kinder bekommen jeden Tag ein frisch zubereitetes Essen aus der eigenen Kindergartenküche, die von mindestens einer Köchin geleitet wird. Nach dem Mittagsessen haben die Kinder die Möglichkeit einen Mittagsschlaf zu halten. Während dieser Zeit spielen die anderen Kinder, die keinen Mittagsschlaf halten möchten. Diese spielen dann in ihrer jeweiligen Gruppe oder an einer der vielen interessanten Entdeckerstationen, wie zum Beispiel der Naturforscherecke oder sie können nach Absprache in eine andere Gruppe gehen, um dort mit anderen zu spielen. Im Kindergarten werden die Kinder schon auf die Grundschule vorbereitet und haben deshalb auch schon das Grundschulmaterial zur Verfügung, was die Kinder gemeinsam mit ihren Erzieherinnen erarbeiten können. Jedes Kind hat sein eigenes Portfolio und eine „Das kann ich schon Mappe“, welche die Kinder mit in die Schule nehmen können. Nachdem alle unsere Fragen beantwortet waren, bekamen wir in kleinen Gruppen eine Führung durch den Kindergarten und hatten Zeit uns den Kindergarten anzugucken. Wir lernten die verschiedenen Gruppen kennen und konnten später auch alleine noch mal in eine Gruppe gehen, um mit den Kindern zu spielen und um sie zu beobachten aus pädagogischer Sicht. Alles in allem war es ein sehr interessanter Vormittag für uns und ein Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden.
   
   
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Text und Fotos: Eleanor Brain und Marina Wissmann